22.10.2021 | München

Präzisionsmedizin im universitären Umfeld, Organspende und Schutz ärztlicher Entscheidungsfreiheit

Neues aus dem Newsletter des Arbeitskreises Gesundheit und Pflege


Im Gespräch mit Professor Dr. med. Markus M. Lerch, Ärztlicher Direktor des Klinikums Großhadern der Ludwigs-Maximilian-Universität, wurden die finanziellen Herausforderungen gerade im Bereich der Universitätsmedizin deutlich. Er erneuerte die Forderung der Uniklinika nach „Systemzuschlägen im Finanzierungssystem der Krankenhäuser“ für die universitären Maximalversorger, um die Leistungen der Uniklinika im Bereich der Patientenversorgung – hier werden ja insbesondere die schwerwiegenderen und damit in der Versorgung und Behandlung aufwändigeren Fälle versorgt - sachgerecht abzubilden.


Die neuen Möglichkeiten in der Krebsmedizin wurden mit Prof. Dr. Jörg-Christian Tonn, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am Klinikum der LMU Campus Großhadern, sowie mit Dr. Alexander Beck diskutiert, der sich den bösartigen Gehirntumoren im Kindesalter verschrieben hat. Das diffuse intrinsische Ponsgliom (DIPG) ist ein bösartiger Gehirntumor, der besonders im Kindesalter auftritt. Die meisten Kinder sterben bereits wenige Monate nach der Diagnose. Das Ziel der Großhaderner Arbeitsgruppe ist die Identifizierung neuer Therapieoptionen für Patienten mit bisher unheilbaren Gehirntumoren.


Weitere Themen des jüngsten Newsletters waren u.a. Organspende und der Schutz der ärztlichen Entscheidungsfreiheit:
 
Mit gezielten Maßnahmen will die CSU-Fraktion die Patientensicherheit in investorengeführten medizinischen Versorgungszentren (MVZ) verbessern. Dazu wurde ein Antragspaket in den Landtag eingebracht und in der vergangenen Sitzung des  Ausschusses für Gesundheit und Pflege, einer Sondersitzung, beschlossen. Konkret soll die Unabhängigkeit ärztlicher Entscheidungen gegenüber wirtschaftlichen Interessen gestärkt, die Dachgesellschaften der investorengeführten medizinischen Versorgungszentren transparenter gemacht und eine Obergrenze für die Zahl der dort angestellten Ärzte eingeführt werden.

 
Den Abschluss eines hochinteressanten Tags mit viel Einblick in die Arbeit der Medizinerinnen und Mediziner bildete ein Gespräch mit Prof. Dr. Dr. h.c. Bruno Reichart, der Anfang der 80er-Jahre die ersten Herztransplantationen in Deutschland ausgeführt hat. Mit den Mitteln der Xeno-Transplantation arbeitet ein Forscherteam um ihn daran, Schweineherzen gentechnologisch so zu verändern, dass sie vom menschlichen Körper angenommen werden.
 
„Die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert die Versuche ja aktuell sehr großzügig, aber um eine Pilotstudie durchzuführen, brauchen wir weitere finanzielle Mittel und ein Netzwerk, zu dem auch Krankenhäuser gehören“, so sein Wunsch an die Mitglieder des Landtags – unter ihnen auch die stellvertretende AK-Vorsitzende Dr. Beate Merk, Barbara Becker und Landtagsvizepräsident Karl Freller -, die auch hier ihre Unterstützung signalisierten.
 
„Eine Studie mit acht terminal herzerkrankten Patienten, die ab dem Jahr 2024 stattfinden soll, könnte den Durchbruch in der Herztransplantationsmedizin bedeuten. Weltweit würden jährlich 4.000 Herzen für Organverpflanzungen benötigt, die auf diese Weise gewonnen werden könnten. Im Interesse der betroffenen Patientinnen und Patienten sowie deren Familien müssen wir diese Option weiterverfolgen“, erklärte Bernhard Seidenath.